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Oktoberfest

Das Internet und unser Gehirn

 

Das Internet ist im Jahre 2018 nicht mehr aus unserer Gesellschaft wegzudenken und es scheint immer wichtiger zu werden in unserem Leben. Viele Menschen können nicht mehr ohne das Internet sein. Da das Internet nicht nur für die Arbeit, sondern auch im Privatleben und selbst für die Ausbildung uns in allen Generationen beeinflusst, ist zu erwarten, dass sich unser Gehirn auf diese neue Situation anpassen wird. Hierdurch ändert sich unser Lebensstil, aber auch die Gefahren denen wir ausgesetzt sind.

Das Gehirn

Das Gehirn

 

Konzentration

Während des Surfens im Internet ist unser Gehirn damit beschäftigt allerlei Informationen oberflächlich zu scannen. Auch ist unser Gehirn stets auf der Suche nach mehr und schnellerer Ablenkung. Dies kann dafür sorgen, dass unser Gehirn sich auch so verhält, wenn wir nicht hinterm Internet sitzen, wodurch wir uns schlechter konzentrieren können auf Sachen die unsere Aufmerksamkeit verlangen, wie z.B. das Lesen eines Buches oder die Hausaufgaben. Es ist zum Glück nicht so, dass diese Veränderung des Konzentrationsvermögens auch eine echte Veränderung des anatomischen Gehirns mit sich bringt, eher verändert sich die Dynamik, d.h. die Verteilug von Elektrizität und Spannung im Gehirn. Wenn man sich regelmäßig zwingt sich auf stabile Informationen zu konzentrieren, wie z.B. ein Buch zu lesen, können Sie Ihre Konzentration trainieren, wodurch sich diese verbessern wird (in Zeit und Intensität).

Multitasking

Mit Multitasken meinen wir das Ausführen von vielen verschiedenen Handlungen zur selben Zeit, oder das Switchen zwischen verschiedenen Handlungen. Während der Arbeit mal eben schnell die Emails checken und zwischendurch immer mal ein paar Berichte via Whatsapp und Facebook schicken – es ist uns allen bekannt. Leider ist unser Gehirn nicht unbedingt für diese Art von Multitasken gemacht. Jedes Mal wenn wir unser Gehirn auf etwas anderes richten, wie z.B. den Bericht des Partners auf Whatsapp, muss unser Gehirn alle Informationen diesbezüglich aufrufen, z.B. wer ist mein Partner, was will er/sie, was ist mein Bezug hierzu, was will ich, wie antworte ich was, welche Worte gebrauche ich, welche Handlungen muss ich ausführen um meinen Bericht zu überbringen. Für das Gehirn bedeutet das eine Aktivierung von sehr vielen Informationen und Programmen, die nicht nur verarbeitet sondern auch ausgeführt werden müssen – in sehr kurzer Zeit (weil der Partner wartet ja, und hat gesehen dass der Bericht gelesen wurde), während die Informationen die durch die Arbeit aktiviert wurden im Hintergrund des Gehirns auf standby werden gestellt. Hierdurch ermüdet unser Gehirn und die Konzentration nimmt ab und durch die Ausschüttung von Dopamin, einem Neurotransmitter im Gehirn der Befriedigung gibt, ist die Chance höher, dass man sein Whatsapp weiter checken wird. Es ist erwiesen, dass dieses Verhalten zu einer 40%igen Reduktion der Konzentration führen kann und nebenbei auch Stress und eine niedrigere Qualität der Arbeit als Konsequenz hat.

Gedächtnis

Alle Informationen, die wir uns normalerweise merken wollen, sind online zu finden; ganze Enzyclopädien und Bücher sind online zu finden. Dies kann dafür sorgen, dass wir geneigt sind uns weniger Informationen zu merken, da wir ja eh alles zu jeder Zeit im Internet wieder finden können. Früher war unser Gehirn darauf trainiert, sich so viele Informationen wie möglich zu merken, nun ist unser Gehirn langsam darauf gericht so schnell wie möglich Informationen zu finden, zu selektieren und zu verarbeiten.

In psychologischen und neurologischen Studien wurde herausgefunden, dass Leser eines Internettextes im Vergleich zu Lesern eines Buchtextes sich weniger Informationen merken konnten und den Inhalt des Gelesenen nicht klar und richtig wiedergeben konnten. Das Multitasken kann hiermit zu tun haben, dass die Übertragung von Informationen vom Kurzzeit- zum Langzzeit-Gedächtnis unterbrochen wird. So können nicht genügend Informationen verarbeitet und gespeichert werden. Beim Lesen eines Buchtextes passiert dies weniger, der Text ist ja auch stabil vor den Augen, er bewegt sich nicht und Buchstaben auf Papier sind fürs Gehirn auch weniger intensiv zu verarbeiten als Buchstaben vom beleuchteten Screen.

Intelligenz

Während des Prozesses der Informationsverarbeitung vom Kurzzeit- ins Langzzeitgedächtnis wächst die Anzahl der Synapsen (d.h. Verbindungen im Gehirn) und dies sorgt u.a. auch für eine Zunahme der Intelligenz. Durch das Multitasken wird dieser Prozess unterbrochen und die paar Minuten, die unser Gehirn mal eben nicht hätte denken/analysieren mussen, werden nun dazu gebraucht um Information vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis zu transportieren. Wenn Sie während der Arbeit stets unterbrochen werden durch Emails, Whatsapp, Facebook, Telephon etc. kann dies sogar zum Verlust von Synapsen und daher Verliust von Intelligenz führen. Trotzdem ist man nicht sicher, ob das Internet uns wirklich weniger intelligent macht, eher ist es so, dass die Art der Intelligenz sich verändert und dies ist in einer verändernden Umgebung natürich auch evolutionair wichtiger. So zeigen einige Studien, dass Gamers schneller und effizienter Entscheidungen treffen können und dies ist zu vergleichen mit Internetnutzern die parallel ihre Aufmerksamkeit stets refocussen müssen um Entscheidungen zu treffen.

Neuroplastizität

Neuroplastizität bedeutet, dass unser Gehirn sich verändern kann. Wir können unser ganzes Leben unser Gehirn verändern, abhängig von den Situationen und den Reizen an denen wir uns bloß stellen und neue Nervenzellen und Synapsen kreieren durch das Trainieren unseres Gehirns. Verhalten und Reaktionen die öfter durch das Gehirn aktiviert werden, beeinflussen die Entwicklung und verändern unser Gehirn. Wenn wir aber dieses Verhalten unterbrechen oder stoppen, dann verschwindet auch dessen Veränderung im Gehirn. Dies bedeutet, dass wenn die Internetnutzung abnimmt oder gar stoppt, dann werden die positieven und auch die negativen Veränderungen, die das Internet im Gehirn verursacht hat auch wieder abnehmen.

Psychiatrie und Neurologie

Aus Studien wissen wir bis jetzt, dass die Internetnutzung keine anatomischen Veränderungen im Gehirn produziert. Dennoch sehen wir eine Veränderung im Gebrauch unseres Gehirns und in der Dynamik. Dies führt dazu, dass das Gehirn schneller überbelastet werden kann oder Informationen auf eine weniger effiziente oder adaptive Manier lernt zu verarbeiten. Letzteres ist vor allem wichtig, wenn man sich in Situationen begibt, in denen es kein Internet gibt, zum Beispiel wenn das Gehirn schnell Entscheidungen treffen muss auf Basis seines eigenen Denkprozesses. Nebenbei sehen wir, dass der dauernde und lange Gebrauch von Computern, Tablets oder Smartphones im allgemeinem das Funktionieren des Gehirn so beeinträchtigen kann, dass psychische, psychiatrische und neurologische Symptome entstehen können. Die Internetsucht, aber auch komplexere psychische Probleme, wie zum Beispiel der Verlust des Selbstwertgefühls, narzistische Neigungen auf Basis von persönlicher Unsicherheit (z.B. das Jagen nach ‘Likes’/Bestätigung) oder gar Realitätsverlust (z.B. bei Gamern), Vernachlässigung von schulischen/arbeitsmäßigen Verplichtungen oder der Hygiene, Schlafstörungen oder Gewichtsverlust formen oft die Grundlage für psychiatrische Probleme. Auch pseudo-neurologische Probleme können entstehen, wie z.B. ADHS-ähnliche Verhalten, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Vor allem muss man hierbei an Depressionen, aber auch an Persönlichkeitsveränderungen oder auch Psychosen (z.B. Paranoidie, Schizophrenie) denken, aber auch Traumatisierung durch was im Internet gesehen wurde oder als Folge des Internetgebrauchs geschah (z.B. Cybermobbing , Missbrauch/Vergewaltigung, Diebstahl). Diese Probleme oder deren Konzequenzen, die alle zurückzuführen oder verstärkt werden durch Internetgebrauch, benötigen eine intensivere Behandlung, wobei ihnen der Arzt Ihres Vertrauens weiterhelfen und Sie an die psychologische Hilfestelle schicken kann um von dort aus das Problem zu behandeln.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?

 

Generell gilt in der Kindererziehung, dass konstante Überwachung kaum eine Lösung und häufig auch überhaupt nicht realisierbar ist. Das gleiche gilt auch für das Thema Internet. Eltern können ihren Kindern nicht pausenlos beim Surfen über die Schulter schauen. Daher sollten ein gutes Vertrauensverhältnis und eine solide Bindung mit dem Kind im Vordergrund stehen. Wenn etwas aus dem Ruder läuft beginnen wir tendenziell eher mit der Lösungssuche im direkten Umfeld des Problems. Unser Kind verbringt zu viel Zeit vor dem Bildschirm, also begrenze ich die Nutzung oder führe Bestrafungen ein. Solche Regeln geben den Eltern ein Gefühl von Kontrolle und scheinen daher oft der richtige Weg zu sein. Leider ist es nicht immer so einfach und die Gründe für extensive Internetnutzung liegen ganz wo anders. Hat das Kind Probleme in der Schule? Zieht es sich in die virtuelle Welt zurück, weil es in der realen Welt Probleme hat? Bekommt das Kind genügend Aufmerksamkeit von mir? Die Flucht in die virtuelle Welt kann viele Gründe haben. Versuchen Sie ihr Kind zu verstehen und ihm Vertrauen entgegenzubringen. Dann wird Kontrolle nicht nötig sein.

 

 

Einen Zugang zu Regeln schaffen

 

Eltern neigen dazu, Regeln aufzustellen, weil das zu einer Kontrollillusion führt. Jedoch werden diese häufig von den Kindern nicht eingehalten, was zu Frustration führt. Es sollte sichergestellt werden, dass die Kinder einen Zugang zu den Regeln erhalten. Das Internet sollte in keinem Fall verteufelt werden, da das zu einer defensiven Haltung des Kindes führen kann. Denken Sie daran, dass das Internet ein großer Teil des Lebens der Kinder und somit auch ihrer Identität geworden ist. Angriffe gegen das Internet können somit auch als Angriffe gegen die eigene Person verstanden werden. Regeln sollten gemeinsam festgelegt werden. Die Kinder zeigen mehr Motivation bei der Einhaltung, wenn sie selbst mitgeholfen, die Regeln zu gestalten. Hierbei sollten auch Kompromisse eingegangen werden. Bei Quid-Pro- Quo-Vereinbarungen sollte besonders achtgegeben werden. Aussagen wie “Du darfst eine Stunde ins Internet, wenn du vorher zwei Stunden draußen warst” machen das Internet nur noch reizvoller und lassen die Zeit, die draußen verbracht wird, als eine Art Strafe erscheinen.

 

 

Eltern als kompetente Begleiter in der virtuellen Welt

 

Es ist außerdem wichtig, sich selbst mit dem Internet zu beschäftigen, damit man die Kinder besser begleiten kann. Das bedeutet aber auch zu verstehen, dass das Internet für Kinder eine große Spielwiese oder ein Pausenhof ist, der Spaß macht, wo Quatsch sein darf. Im Sinne des spielerischen Lernens ist da nichts Verkehrtes dran. Die Eltern sollten die Kinder nicht nur lehren, wie ein richtiges Leben auszusehen hat., die Aufgabe besteht vielmehr darin, die Kinder bei den schwierigen Schritten in eine neue Kultur und Berufswelt zu begleiten.

Also: Sich selbst Wissen aneignen, denn die Kinder brauchen kompetente BegleiterInnen in der virtuellen Welt.

 

 

Dr. Fabian Saarloos

Dr. Fabian Saarloos

 

 

Wenn Sie mit Internet-Problemen zu kämpfen oder wenn Sie eine Frage dazu haben, wenden Sie sich an Dr. Fabian im German Neuroscience Center unter 04 429 8578.

Er wird Ihnen ganz sicher helfen!