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Depressionen und Ängste im Jugendalter

Die Frage: Haben Sie Zeit für die wirklich wichtigen Dinge? stellt heute Dr. Daniela Graf vom Dubai Neuroscience Center in JLT in ihrem Artikel über ein Thema, das viel häufiger vorkommt als wir alle denken: Depressionen und Ängste im Jugendalter.

Dr. Daniela Graf

Dr. Daniela Graf

Fünf Monate arbeite ich nun als Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Dubai. Kein übermäßig langer Beobachtungszeitraum. Dennoch setzt sich mein Eindruck aus 9 Jahren Berufserfahrung aus Deutschland hier fort: Wir nehmen uns einfach nicht mehr genug Zeit miteinander zu reden geschweige denn etwas zu unternehmen. Die Hemmschwelle junger Menschen mit ihren Eltern über ihre Probleme zu sprechen scheint in Dubai, wo “busy zu sein” genauso zum täglichen Standard gehört wie Zähne putzen und ihr Maximum zu erreichen. Die drei Standardantworten, die ich in meiner Sprechstunde aus den Mündern verzweifelter, depressiver Jugendlicher mehrfach täglich höre, sind: Ich hab noch nie mit meinen Eltern über meine Probleme gesprochen, weil 1. Hören sie mir sowieso nicht zu, da sie immer beschäftigt sind 2. Verstehen sie mich ohnehin nicht oder 3. Will ich sie nicht noch zusätzlich mit meinen eigenen Problemen belasten, da sie schon gestresst genug wirken.

Depressionen

Depressionen

Daher möchte ich heute gerne im Folgenden das Thema “Depressionen und Ängste im Jugendalter” etwas näher beleuchten, da mir dies täglich mehrfach begegnet und ich oft das Gefühl habe, dass es mit ein paar wenigen fokussierten Interventionen von Elternseite gar nicht erst soweit hätte kommen müssen. Es ist mir ein Anliegen auch präventiv zu denken und zu arbeiten und nicht erst zum Zug zu kommen, wenn das Kind buchstäblich schon fast in den Brunnen gefallen ist.
Es gibt zweifelsohne mindestens so viele Elternratgeber auf dem Markt wie es depressive und ängstliche Kinder gibt. Aber müssen wir wirklich so weit gehen und hunderte Seiten lange Bücher wälzen, um unsere Kinder oder Mitmenschen zu verstehen?
Ich frage meine kleinen Patienten immer: “Was glaubst Du denn hätte Dir geholfen, um zu verhindern, dass es so weit gekommen ist?” Deren Hauptantwort lautet dann meistens Wenn ich mit Mama oder Papa hätte darüber reden können”. Klingt doch eigentlich ganz simple. Warum klappt es also dennoch nicht?
Nun werde ich wieder ein bisschen philosophisch: Wahrscheinlich gelingt es nicht, weil wir die wirklich wichtigen Dinge im Leben (Liebe, Freunde, Familie) aus den Augen verlieren. Weshalb? Weil der Job uns stresst. Weil wir unter Druck stehen Leistung zu erbringen. Weil wir nicht auf unsere inneren Bedürfnisse hören. Weil wir vergessen den Moment zu leben. Man ist fokussiert auf die Zukunft, schmiedet permanent Pläne, wo man in 5 Jahren stehen will, was man erreicht haben will. Doch frag ich mich: Wie oft kommt es denn tatsächlich so, wie wir es uns vorgestellt haben? Hätte mir jemand vor 5 Jahren prophezeit, dass ich heute in Dubai lebe, hätte ich ihm wohl direkt eine Überweisung zum ärztlichen Kollegen der Erwachsenenpsychiatrie ausgestellt.
Da uns unser Job nun einmal ernährt und unser Boss uns wohl aufs Dach steigen würde, wenn wir jeden Tag um 14.00 Uhr das Büro verlassen nur um mehr Zeit für Familie und Freunde zu haben, müssen also andere Lösungen her.
Die Ratschläge, die ich in meiner Sprechstunde gerne gebe, klingen so banal, dass es schon fast peinlich ist, diese hier dezidiert zu erwähnen. Dennoch sprechen die positiven Entwicklungen der Familien nach dem Beginn einer Psychotherapie mit den Inhalten “Self-care, self-awareness, work-life-balance, quality time” eine mehr als deutliche Sprache. Sowohl Patienten, Eltern als auch ich staunen immer wieder, welch kleine Veränderungen in der alltäglichen Familienroutine große Verbesserungen bewirken.
Die Favoriten hierbei sind:
• Gemeinsame Mahlzeiten- eine perfekte Gelegenheit sich über den Tag auszutauschen oder sich beim gemeinsamen Gemüseschnippeln mal wieder nett zu unterhalten
• Quality time: einfach mal zusammen ein Brettspiel spielen als einzeln im Zimmer vor dem Tablet zu sitzen und den Screen anzustarren
• Gemeinsame Hobbies finden- und wenn‘s nur ein Strandspaziergang ist
• REDEN miteinander- ein simples “Wie war Dein Tag?” oder “Bist Du glücklich?” stößt oft interessante Gespräche an (nichts anderes frag ich meine kleinen Patienten und ich bin überrascht wie sehr sie daraufhin förmlich ausfließen).
• Empathie zeigen: wenn Kinder spüren, dass sie gesehen und verstanden werden, kann man ihnen schon allein hierdurch so viele Sorgen von ihrer kleinen und oft von der Pubertät geplagten Seele nehmen
• Ein einfaches “in den Arm nehmen” oder “ich hab Dich lieb und bin immer für Dich da” ist allerdings der unangefochtene Spitzenreiter. Es tut richtig weh zu sehen, wieviel verzweifelte Kinder das offenbar schon Jahre (und viele wohl im ganzen Leben noch kein einziges Mal) nicht mehr gehört haben. Umso schöner ist das Leuchten in den Augen der Kids, wenn sie wieder zu mir in die Klinik kommen, über das ganze Gesicht strahlen und sagen “Mama hat gestern gesagt, dass sie mich lieb hat”.
Das war er also: Mein Appell an die Liebe und an ein aufmerksames, wertschätzendes Miteinander. Wie schön wäre es, wenn wir die Momente, die uns mit den Menschen, die wir lieben, vergönnt sind, bewusster leben würden??
A life with love is a life that’s been lived!

Dr. Daniela

Dr. Daniela

Wenn Sie nicht sicher sind, ob mit Ihrem Kind alles in Ordnung und ob es glücklich ist, sprechen Sie mit der sympathischen Kinderpsychiaterin Dr. Daniela – sie wird Ihnen und Ihrem Kind helfen.
Das German Neuroscience Center befindet sich in Jumeirah Lake Towers – Cluster I, Platinum Tower, 2806 und ist von Samstag bis Donnerstag von 9 Uhr bis 21 Uhr geöffnet.
Terminvereinbarungen unter +971 (0)4 429 8578.