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Die Sündensteuer in den VAE

Kommen uns unsere kleinen Sünden nun bald teuer zu stehen?

 

Jana Krok

Jana Krok

 

Im 4. Quartal 2017 plant die VAE die Einführung einer so genannten Sündensteuer auf Tabakwaren (100 %) , Energy Drinks (100 %) und kohlensäurehaltige und süße Getränke (50 %). Diese neue Steuer soll das Gesundheitsbewusstsein der Bürger stärken, allerdings ist der Erfolg dieser Maßnahme stark zu bezweifeln. Sicher ist allerdings, dass sich die Sündensteuer erfolgreich auf die Mehreinnahmen der Staatskasse auswirken und enorme Folgen für zahlreiche Unternehmen verschiedenster Branchen mit sich bringen wird.

 

Süße Getränke

Süße Getränke

 

Heute kostet eine Dose Cola 1,50 AED. Voraussichtlich ab Oktober wird sich der Preis durch die Sündensteuer um 50 % erhöhen und 2,25 AED betragen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Preiserhöhung wenig abschreckend wirkt. Wer auf seine koffeinhaltige Zuckerbrause nicht verzichten möchte, wird fortan auch 2,25 AED dafür ausgeben.

 

Je nach bevorzugter Marke variieren die Zigarettenpreise in den VAE. Im Durchschnitt kostet eine Schachtel West 3,00 AED, ein Päckchen Gauloises 5,00 AED und eine Packung Marlboro 10,00 AED. Mit der neuen Sündensteuer von 100 % auf Tabakwaren verdoppeln sich diese Preise. Es ist unwahrscheinlich, dass viele Raucher den Glimmstengel aufgrund der höheren Preise an den Nagel hängen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass einfach auf eine günstigere Marke umgestiegen wird. Statt Marlboro für dann 20,00 AED zu qualmen, wird ein Raucher eher auf eine günstigere Marke wie West umsteigen und 6,00 AED für ein Päckchen ausgeben. Für Marlboro könnte es dann schwer werden, Zigaretten für 20,00 AED pro Packung zu verkaufen, es sei denn, es gibt wahre Fans des Südstaaten-Cowboys.

 

Zigaretten

Zigaretten

 

Zudem wird der Genuß einer Shisha um 100 % teurer. Wer gerne ab und an eine Shisha mit Freunden teilt oder eine Feierabend-Shisha im Café geniesst, muss dann den doppelten Preis zahlen. Dies wird weder den Kunden noch die Betreiber von Cafés, Bars und Restaurants erfreuen.

 

Energy Drinks wie Red Bull kosten derzeit ca. 8 AED je Dose. Mit einer Sündensteuer von 100 % und einem Neupreis von ca. 16 AED pro Dose ein teurer Energiekick. Eiskaffee-Anbieter wie Nescafé wird dies freuen, denn der Koffeinkick aus der Dose kostet derzeit ca. 3 AED und ist streng genommen kein Energy Drink. Fraglich ist, ob auch diese Kaffee-Getränke als ungesund und zuckerhaltig gelten und eine Preiserhöhung verkraften müssen.

 

Generell ist  der Gesundheitsaspekt dieser Sündensteuer fraglich. Mit einer 50%igen Preissteigerung von Soft Drinks und süßen Getränken wird wohl niemand darauf verzichten, ab und an eine Cola zu trinken. Bleibt der Genuß in Maßen, ist auch nichts dagegen einzuwenden. Desweiteren ist fraglich, wo hier die Grenze zu ziehen ist und nach welchen Kriterien Getränke wie Soft Drinks und süße Säfte als „ungesunde Produkte“ eingeordnet werden. Gelten demnächst auch isotonische Sportgetränke wie Sports Water, Powerade und Gatorade als ungesund? Kosten demnächst Coke Zero oder Sprite Light weniger als ihre zuckerhaltigen Varianten? Werden auch Säfte von der Sündensteuer betroffen sein und zukünftig als ungesunde Dickmacher gelten?

 

Zahlreiche ungesunde Gewohnheiten bleiben von der Sündensteuer bislang befreit. So werden das fettige Fast Food, der kalorienhaltige Schokoriegel oder das tägliche Feierabendbier derzeit nicht noch abgestraft.

Nicht nur aus diesem Grund wirft die Sündensteuer unter Gesundheitsaspekten derzeit mehr Fragen als Anworten auf. Sicher ist allerdings, dass viele Unternehmen zahlreicher Branchen die Auswirkungen der Sündensteuer spüren werden. Auch der eigene Geldbeutel wird unter der Sündensteuer leiden, wohingegen die Staatskasse mit üppigen Mehreinnahmen rechnen kann.

Es bleibt abzuwarten, inwiefern uns unsere kleinen Sünden zukünftig noch teurer zu stehen kommen.