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Ein Mann und eine Katze – auf einem Motorrad

Ich traf Martin Klauka vor kurzem in Dubai im Apartment von Freunden wo er gerade Besuch von Mama Anke hatte, um seinen 32sten Geburtstag zu feiern. Hier erzählte er mir die Geschichte seiner Reise von Rosenheim nach Dubai – mit seiner Katze Mogli auf dem Motorrad.

Martin mit Uschi

Martin mit Uschi

Martin lebte in der Nähe von Rosenheim und arbeitete als Disponent bei einer Spedition. Er war dort incl. Ausbildung 11 Jahre tätig als die Idee immer stärker wurde, dass es nun an der Zeit sei etwas anderes zu machen. Ihm graute beim Gedanken daran, dass er mit 70 auf sein Leben zurückblickt und feststellen muss, dass er jeden Tag von 8 Uhr bis 5 Uhr am selben Ort eine ähnliche Arbeit getan hat.

Er wollte etwas aus seinem Leben machen, etwas Interessantes erleben und eine neue Challenge haben. So kündigte er 2015, allerdings holte ihn sein Arbeitgeber wieder zurück, bevor er dann einige Zeit später die Spedition endgültig verließ.

Auf einem Asien-Trip mit dem Motorrad fasste er dann den Gedanken auf zwei Rädern eine große Reise zu unternehmen und die Welt hautnah zu erleben.

Martin und Mogli

Martin und Mogli

Ende März 2017 machte er eine Motorradreise nach Marokko um noch Erfahrungen für das große Abenteuer zu sammeln und dort fand er SIE – Mogli, seine kleine Prinzessin. Eigentlich fand nicht Er dieses kleine Wesen, sondern MOGLI fand ihn und machte ihn zu ihrem persönlichen Dosenöffner. Sie war ca. 2 Monate alt und ihre Mama war auf den Straßen Marokkos von einem Auto überfahren worden. Die kleine zottelige Katze mit abgerissenem Schwanz saß am Straßenrand, war halb verhungert und konnte sich kaum mehr auf den Beinen halten. Als sie Martin sah kam sie zielstrebig auf ihn zugetapst, ließ sich von ihm füttern, kroch auf seinen Arm und schlief sofort vor lauter Erschöpfung ein. Er pflegte sie gesund, fütterte sie mit leckerem Fisch und sie kam im Tankrucksack auf dem Motorrad mit nach Deutschland.

Im Tankrucksack

Im Tankrucksack

Es war bei beiden Liebe auf den ersten Blick und Mogli fand bereits bei der Rückfahrt in Martins Heimat Gefallen an dem Leben auf zwei Rädern.

Kurz überlegte Martin, ob er sie in Rosenheim ins Tierheim geben sollte, aber er wollte ihr kein Leben im Käfig auf unbestimmte Zeit zumuten und so entschloss er sich, Mogli mit auf seine große Reise zu nehmen. Er setzte sie zur Probe vorher immer wieder in seinen Tankrucksack, der mit einer weichen Decke ausgepolstert ist und jedes Mal stellte er fest, dass ihr das Fahren überhaupt nichts ausmachte, sie schlief sogar ein und blinzelte ihn an wenn er wieder anhielt. Sie vertraute ihm aus vollsten Herzen von Anfang an, denn er hatte sie ja gerettet und ihr immer Wärme, Futter, Schutz, Geborgenheit und Liebe gegeben.

Fahrt

Fahrt

So fuhren Martin und Mogli am 24. August 2017 in Rosenheim los und durchquerten auf ihrer Reise insgesamt 10 Länder bis sie am 3. Dezember 2017 in Dubai ankamen. Von den 101 Nächten dieser Reise verbrachten Sie 43 im Zelt, 30 privat bei freundlichen Menschen, 19 in einem Hotel, 6 in einem Bungalow, 1 in einem Wohnwagen und 2 Nächte auf dem Schiff.

Natürlich hat er auf dieser Reise sehr viel erlebt und vor allem war es nicht immer einfach mit einer Katze zu reisen. Oft wurde er wegen ihr aus Shops hinausgeworfen und in Hotels nicht eingelassen und auch hat er sie mehrmals verloren, aber Gott-sei-Dank immer wieder gefunden. Einige dieser Fälle sind tief in seiner Erinnerung verhaftet und er hatte immer große Sorge, dass sie nicht mehr auftaucht, dass sie irgendwo eingesperrt ist oder ein Mensch ihr etwas Böses angetan hat. Anfangs hatte er auch noch manchmal den Gedanken, dass sie einfach weggelaufen sein könnte, aber nach kurzer Zeit war diese Option für ihn total unwahrscheinlich geworden.

In Sicherheit

In Sicherheit

Immer wenn seine kleine Prinzessin verschwunden war bekam Martin ein paar graue Haare und dies geschah z.B. in Albanien, zweimal in der Türkei und dreimal im Iran. Bei allen derartigen Aktionen war Martin immer krank vor Sorge, aber er erfuhr dabei auch sehr oft viel Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. So lernte er bei ihrem letzten Verschwinden in Bandar Abbas im Iran fast 100 Leute kennen, die ihn bei seiner Suche nach der Prinzessin unterstützen, Suchtrupps bildeten oder auf sein Zelt aufpassten, wenn er unterwegs war. Nach ihrer glücklichen Rückkehr wurde er zusammen mit Mogli sogar mehrfach in Privathäuser zum Essen eingeladen, bevor es dann für die beiden zum letzten Reiseabschnitt aufs Schiff ging.

Freundlichkeit

Freundlichkeit

Natürlich fragte ich Martin auch nach wirklich gefährlichen Situationen auf dieser langen Reise und er antwortete spontan, dass der kritischste Moment für ihn in der Türkei gewesen sei, als er bei Sonnenuntergang in den Bergen beim Überholen fast eine Kuh überfahren hat, die plötzlich aufgetaucht war. Weiterhin kamen einmal nachts im Iran in totaler Einsamkeit zwei etwas abgerissene Gestalten an sein Zelt, die ihm aber wie sich dann herausstellte nur etwas zum Rauchen verkaufen wollten.

Einsamkeit

Einsamkeit

An eine Situation erinnert er sich auch nicht so gern, als er nachts in der Wüste in einem nassen Lehmboden stecken blieb. Kein Mensch war im Umkreis von 50 Kilometern anzutreffen und so musste er mit eigener Kraft sein versunkenes Motorrad aus dem nassen Lehmboden befreien, was ihm übermenschliche Anstrengung kostete.

Motorrad im Schlamm

Motorrad im Schlamm

Natürlich könnte man an dieser Stelle noch viel erzählen über Martins Eindrücke und Erlebnisse, aber für ihn ist vor allem sehr wichtig, dass er durch die bisherige Reise eine alternative Sicht aufs Leben bekommen hat, dass er viel Freundlichkeit und Gastfreundschaft erfahren hat und dass er sich jetzt durch das enge Zusammensein mit Mogli noch mehr für Tierschutz engagieren will.

Er hat auch viel über die Menschen erfahren, die unterschiedlichen Mentalitäten und ihr Verhalten gegenüber einem Tier und – er hat das Wort für Katze in den verschiedensten Sprachen gelernt.

Auf die Frage was er nun vorhätte, sagte er mir, dass er gerne in Dubai etwas arbeiten würde um Geld zu verdienen und dann weiterfahren will nach Indien.

Wenn man zum Schluss noch einen Blick auf Mogli wirft, so ist sie eine Katze, die viele Geschichten erzählen kann, z.B. von Fahrten über holprige Straßen, von wunderschönen Landschaften mit tollen Verstecken und von unzähligen Abenteuern mit „ihrem Menschen.“

Mann und Katze

Mann und Katze

Martin wünscht sich, dass sie bei ihm bleibt und dazu lässt er der Prinzessin auch einen individuellen Freiraum. Er hofft, dass sie immer wieder ihren Weg zu ihm zurückfinden wird und dass die beiden noch viele Jahre beste Freunde sein können. Expat Aktuell wünscht Martin und Mogli alles Gute und noch viele gemeinsame Abenteuer!

Wenn Sie die Abenteuer von Martin und Mogli weiter verfolgen wollen können Sie dies tun unter https://www.facebook.com/martin.mogli.10 bzw. unter https://www.facebook.com/motomogli/?hc_ref=ARTFTT_r9Afs4MrLjX0FUvF9xpXzTc7uOGzTe_1_lBmyJTMkYPS8yQDaVsx1TASIZ2c&fref=nf oder auf Instagram unter motomogli.

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