Für deutschsprachige Expats in den Emiraten

 

Mogli in Indien

Im Januar berichtete Expat Aktuell zum letzten Mal über die ehemalige marokkanische Straßenkatze Mogli, die seit 24. August 2017 mit ihrem Lieblingsmenschen Martin auf dem Motorrad bereits viele Abenteuer auf ihrer Reise durch die Welt erlebt hat.

Dabei fuhren die beiden inzwischen mehr als 35.000 Kilometer auf staubigen Straßen, versanken in tiefem Sand und kamen vorbei an tief eingeschnittenen Schluchten und riesigen Bergen.

Mogli

Mogli

Die kleine schwarz-weiße Katze mit dem glänzenden Fell hat schon vieles erlebt, hat viele exotische Gerüche geschnuppert und hat viele freundliche Menschen und auch nicht so freundliche Tiere kennen gelernt.
Seit fast 2 Jahren ist das einzigartige Tier Martins beste Reisegefährtin und Prinzessin und ist auch inzwischen eine Berühmtheit geworden mit vielen Fans und Followern auf Facebook und Instagram.
Seit wir uns in Dubai kennen gelernt haben ist die ganze Zeit der Kontakt zwischen Martin, Mogli und mir nicht abgerissen und vor ein paar Tagen erst haben wir sehr lange miteinander geskypt. So bekommen Sie heute wieder ein Update über die neuesten Erlebnisse der zwei in Indien.
Die große Neuigkeit ist sicher, dass Martin einen Verleger gefunden hat und ein Buch herausbringt an dem er momentan mit Hochdruck schreibt.

Häuschen

Häuschen

Die beiden sind immer noch in ihrem kleinen Häuschen in Kasar Devi und Martin arbeitet, während Mogli viele kleine Abenteuer erlebt. Martin wartet auf sein neues Carnet (Erklärung weiter unten) und auch sein Visum läuft in Kürze ab. Danach geht es für die beiden weiter nach Nepal, wo sich Martin eine ähnliche Unterkunft suchen und weiter an seinem Buch arbeiten wird.
Bereits im Januar hat er am ersten Kapitel geschrieben und inzwischen hat er fast 6 Monate lang immer wenn er konnte fleißig recherchiert und dabei extrem viel über Länder, Kulturen und Religionen gelernt. Jetzt schreibt er intensiv an den nächsten Kapiteln für sein Buch und ist inzwischen mit der Geschichte in Griechenland angelangt.
Vor dem Winter hatte sich Martin einen kleinen Ofen für 50€ in seine Hütte auf dem Berg einbauen lassen und so konnte er auch im Winter arbeiten. Es gab sogar dreimal Schnee, einmal davon so richtig viel.

Mogli im Schnee

Mogli im Schnee

Der Hang hinter dem kleinen Haus ist nach ca. 6 Aufräumaktionen auch endlich sauber, denn Martin hat sich das Desaster nicht mehr länger anschauen können.
Während des Winters musste Martin 2x nach Nepal ausreisen, weil er nur maximal 90 Tage am Stück in Indien bleiben darf. Beim ersten Mal wurde ihm gesagt, dass sein Motorrad mit einem Carnet de Passage, dem Zolldokument welches für die temporäre Einfuhr benötigt wird und das 1 Jahr gültig ist, maximal 180 Tage in Indien bleiben darf. Ohne diese Info wäre das Bike beim nächsten Mal konfisziert worden.
Im Februar besuchte ihn seine Mutter und vorher war Großputz angesagt, vor allem die zahlreichen Spinnweben mussten beseitigt werden.
Als er sie in Delhi abholte stattete er dem nahegelegenen Zollamt einen Besuch ab und verbrachte mehrere Stunden dort. Martin kommentierte das folgendermaßen: „Indien hat die Bürokratie von den Briten übernommen und noch erweitert!“ Seine Mum hat die ganze Zeit im Taxi auf ihn gewartet und dann beim 2. Besuch der Behörde hat er endlich seine Ausnahmegenehmigung für das Motorrad erhalten.
Für seine Mum hat er dann einen 350er Royal Enfield Classic ausgeliehen und die beiden haben mit Mogli einen 1200km Road Trip von Delhi aus ins Himalaya (Shivaliks) und zurück gemacht.

Route

Route

Es war nicht immer ganz einfach und sie mussten sich ein paarmal richtig durchbeißen, vor allem die Mutter hatte etwas zu kämpfen, denn Martin und Mogli waren ja schon an viele Widrigkeiten u.a. schlechte sanitäre Verhältnisse gewohnt. Es war sehr kalt und die Zimmer haben keine Heizung. Nachts hatte es im Zimmer teilweise nur 5 bis 10 Grad und sie mussten sogar einmal durch Schnee fahren.

Martin mit Mama

Martin mit Mama

Zum Abschluss haben sie sich dann das Leben in einem kleinen Slum angesehen, die Kinder haben ein Stück für sie aufgeführt und gesungen. Die Menschen haben stolz ihre schlichten Hütten gezeigt und es wurden ihnen Tee und Kekse angeboten. Auch bekamen sie das Angebot für eine Nacht dort zu schlafen.
Die Kinder waren voller Energie und lebensfroh, sie haben gespielt, sind gehüpft und haben viel gelacht. Martins Mama war zu Tränen gerührt und gab Yash, dem Freund von Martin, der die Kids in seiner Freizeit unterrichtet 50 Euro, damit sie ihre löchrigen Planen ersetzen und vielleicht Stifte und Papier kaufen können.

Kinder im Slum

Kinder im Slum

Wenn jemand von Ihnen diese armen Kinder und ihren Betreuer unterstützen möchte, dann kann er ihn über Instagram kontaktieren (@mowglitree).
Nachdem die beiden eine sehr schöne und intensive Zeit verbracht hatten flog die Mutter wieder zurück in die Heimat.
Am 4. März war Maha Shivratri (Die Nacht des Shiva) – ein indisches Festival. Martin ging mit Freunden zum Shiva Tempel in Kasar Devi (Kasar ist übrigens der Name einer Göttin, Devi heißt Göttin) und die Leute feierten.

Tempel

Tempel

Im März war dann auch die Kälte vorbei und mit dem Frühlingsbeginn fing alles an zu sprießen, zu blühen und die Vögel bauten Nester. Alle Lebewesen kamen nach außen und paarten sich – Affen, Vögel und alle möglichen Insekten. Überall hörte man den wunderschönen Gesang der Vögel und auch die Touristen kamen auf einmal wieder.
Dann fand auch noch das Holi Festival (Festival der Farben) statt und Martin ging wieder mit Freunden zum Tempel. Dort wurde Farbe auf den Statuen der Götter verteilt und ins Feuer gespritzt, jeder den man traf tupfte einem Farbe auf die Stirn, Kinder hatten gefärbtes Wasser in ihren Wasserpistolen und Familien statteten ihren Verwandten einen Besuch ab, wo es Tee, Snacks und manchmal auch Alkohol gab.

Holi Festival

Holi Festival

Ab dem Frühling beginnt in dieser Region die Hochzeitssaison und in den Städten finden Umzüge statt, laute Musik wird gespielt und Feuerwerke werden abgeschossen.
In den Bergen kann man an der Hälfte aller Tage (sogar auch jetzt noch) die Musik einer Hochzeit hören, die in Indien mindestens drei Tage dauert. Die Hochzeiten sind aufwendig und riesig – oft mit über 500 Gästen. Dabei werden sehr feine Kleider getragen – oft traditionell, aber auch der westliche Einfluss ist sehr stark.
Entgegen dem was man von Indien so hört werden Frauen hier (in der Region und vielleicht sogar überall in den Bergen) respektiert und sind sehr angesehen; sie werden als Mutter, Schwester, Ehefrau oder Frau eines Freundes gesehen und genießen den Schutz der Männer.
Während seiner Zeit hier hat Martin auch die Grundlagen der lokalen Küche gelernt.
Ende März war dann wieder Großputz angesagt, weil sich Martins Cousin angesagt hatte. Er brachte Teile, Geschenke und Bargeld mit, weil eine Überweisung aus dem Ausland sonst immer mit hohen Gebühren verbunden ist.
Die beiden machten mit Mogli Ausflüge, wuschen ihre Sünden im „lokalen Ganges“ ab – im Sarju Fluss, der später in den Ganges fließt. Diese Zeit war eher wie ein Urlaub, den alle drei genossen.

Am Fluss

Am Fluss

Allgemein ist noch zu sagen, dass in Indien im Frühjahr ein Wahlkampf stattfand, der sehr nervig war. Die Leute diskutierten hitzig, Autos mit riesigen Lautsprechern fuhren vorbei und plärrten Slogans, es gab mehr Polizeikontrollen (Anti-Korruption), die Martin allerdings in Ruhe ließen.
Ab Anfang April herrscht Wasserknappheit in der Region wo Martin und Mogli wohnen – im Winter kommt 1x täglich für 1Stunde lang Wasser zum Waschen und Kochen vom Fluss, wird in einem Tank gesammelt und mit Chemikalien angereichert, im Sommer bzw. in der Saison zapfen es sich die Hotels und Baustellen ab und es kommt nur noch 3x pro Woche in die Region.
Trinkwasser gibt es an einer nahegelegenen Quelle, wo IMMER Leute stehen und ihr Wasser abfüllen – so auch Martin.
Wenn Martin mehr als nur die Dinge des täglichen Lebens braucht fährt er in die nahegelegene Stadt Almora. Aber auch hier gibt es nur eine Bank, die Geld wechseln kann. Die Bürokratie dafür dauert über 1 Stunde, aber Western Union ist wegen größerer Bürokratie noch langsamer. Einen Brief zu verschicken dauert auch 2 Stunden usw. So verliert man hier oft Zeit mit Dingen, die eigentlich schnell gehen sollten.
Mitte Mai bekamen Martin und Mogli Besuch von Sascha, einem Freund der schon einmal vorher sehr gute Fotos gemacht hatte. Es war ein abenteuerlicher Weg für ihn nach Kasar Devi u.a. da Martin das Zugticket für den falschen Tag gebucht hatte.
Nachdem der Freund angekommen war machten sie mit dem Moped des Nachbarn einen 600km langen Roundtrip in den Himalaya um ein gutes Coverfoto für Martins Buch zu schießen. Eine passende Kulisse zu finden war schwieriger als angenommen aber trotzdem gelang den beiden doch am Ende ein super gutes Foto. Am letzten Tag des Ausflugs sah Martin einen Leoparden am Straßenrand – eines der scheuesten Tiere das man zu Gesicht bekommen kann – und er war glücklich.
Anfang Juni gab es dann Waldbrände, die eines Tages fast das Häuschen von Martin und Mogli erreichten. Martin arbeitete gerade an seinem Buch als er den Rauch roch.

Waldbrand

Waldbrand

Es war nicht ungewöhnlich, dass die Hügel seit Wochen brannten, aber diesmal stieg der Rauch den Kamm hinauf und kam durch die Ritzen der Fenster. Beim Blick aus dem Fenster erkannte Martin, dass der ganze Hang brannte. Dies war – abgesehen von Rauch und Hitze ein faszinierender Anblick.
Nach der Reaktion der Menschen zu urteilen, war dies sicher keine Seltenheit und es schien, dass meistens nur die Kiefernnadeln brannten. Um sicher zu sein, dass das Feuer bei Mogli nicht irgendwelche Instinkte auslöste, sperrte er die Kleine ein bis das Schlimmste vorbei war. Aber Mogli blieb cool und reagierte kaum.
Am 29. Januar hatten die beiden Moglis zweiten Geburtstag mit einer Dose Thunfisch gefeiert. Mogli ist inzwischen im Laufe der Zeit immer selbstbewusster geworden und verscheucht sogar Hunde, hat keine Angst mehr vor Affen, auch wenn ein gesunder Respekt geblieben ist. Sie wurde immer anhänglicher und schläft meistens neben Martin wenn er arbeitet und folgt ihm nach draußen wenn er z.B. auf die Toilette geht, wenn er den Nachbarn besucht oder zur Quelle geht. Sie sucht nach ihm und ruft ihn sogar und kommt auch fast immer wenn er nach ihr ruft. Über den Winter wurde sie fast zur Schoßkatze und kam fast jeden Abend in seine Jacke gekrochen.

Mogli in der Jacke

Mogli in der Jacke

Vor kurzem hat sie ihren ersten Vogel gefangen und war sehr stolz darüber. Allerdings nahm Martin ihr die Beute ab, denn sie würde nur damit spielen, ihn verletzen und dann das Interesse verlieren. So haben sich die beiden dann auf eine Dose Thunfisch geeinigt.
Im Frühjahr verlor die kleine Prinzessin sehr viel Fell und Martin zwirbelte daraus einen langen Faden – vielleicht reicht es bald für einen Schal!

Mogli mit Fellfaden

Mogli mit Fellfaden

Martin und Mogli werden noch bis Ende Juni in Indien bleiben und dann das Land Richtung Nepal verlassen. Dort werden sie voraussichtlich 3 Monate vermutlich aber auch länger bleiben und dann zurück nach Indien gehen – vielleicht diesmal in den Osten oder Süden, wo sie auch noch einen Winter verbringen werden. Im Frühjahr 2020 soll es dann weiter gehen nach Kasachstan und dann – you never know!
Zum Schluss möchte ich als Katzenliebhaberin wieder ein Wort zu Mogli sagen. Es ist unglaublich wie sich Mogli entwickelt hat und wie sie mit inniger Liebe an „ihrem Menschen“ hängt und ihm überall hin folgt. Aber auch Martin tut alles, dass es seiner Prinzessin gut geht, lässt ihr einen individuellen Freiraum und beschützt sie vor Gefahren.
Er lässt sie auch höchst ungern mal alleine und genießt es wenn sie neben ihm liegt und schläft, wenn er an seinem Buch arbeitet.
Diese Katze hat mehr gesehen und kann mehr Geschichten erzählen als so mancher Mensch und sie hat seit August 2017 so viele Abenteuer mit „ihrem geliebten Menschen“ erlebt.
Ich wünsche nun den beiden, dass sie noch sehr viel gemeinsam erleben werden, dass sie gesund bleiben und dass Mogli immer den Weg zu Martin zurück findet.
Ich werde Sie weiterhin in Expat Aktuell über die spannende Reise von Martin und Mogli auf dem Laufenden halten – vielleicht dann wenn die beiden aus Nepal nach Indien zurückkehren.
Wenn Sie die Abenteuer von Martin und Mogli in der Zwischenzeit weiter verfolgen wollen können Sie dies tun unter https://www.facebook.com/motomogli/ bzw. unter https://www.youtube.com/watch?v=WlwnaS0v_WM oder auf Instagram unter motomogli.

 

Bildergalerie - Mogli in Indien

Bildergalerie - Mogli in Indien