Für deutschsprachige Expats in den Emiraten

 

Ramadan – der Heilige Monat

Der Heilige Monat Ramadan steht bevor – viele von Ihnen haben den Ramadan hier in den Emiraten sicher schon erlebt, für viele wird er eine neue Erfahrung sein.

In den fünfzehn Jahren, in denen ich in den Emiraten bin, hat sich einiges verändert und so spürt man heute (leider) in vielen Bereichen fast nichts mehr von dieser Zeit, die für gläubige Moslems eine so große Bedeutung hat.
Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender, der sich nach dem Mond richtet. Der islamische Kalender ist kürzer als unser georgischer Sonnen-Kalender, so dass sich der Beginn des Ramadan jedes Jahr um ca. 11 Tage nach vorne verschiebt. Je nach geografischer Lage und der Mondsichtung können der Beginn und das Ende des Ramadan in einzelnen Ländern leicht variieren.

Moschee

Moschee

Jedes Jahr legt das so genannte „Mondsichtungskommittee“ mit der Sichtung des Neumondes den Beginn des Heiligen Monats fest. Ramadan wird dieses Jahr vom 06. Mai bis zum 5. Juni sein und endet dann mit dem Fest Eid Al Fitr.

Ramadan Kareem

Ramadan Kareem

Zu Beginn des Ramadan werden Grüße verschickt mit Ramadan Kareem, was sinngemäß bedeutet: Habt einen großzügigen, frohen Ramadan!
Ramadan ist traditionell die Zeit des Fastens, des Glaubens und der Wohltätigkeit. Muslime auf der ganzen Welt fasten im Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Am Ende eines jedes Fastentages steht Iftar, das Fastenbrechen, welches oft im Kreis der Familie oder mit vielen Freunden feierlich zelebriert wird.
Warum wird im Ramadan gefastet?
Der Ramadan ist der Monat, in dem Muslime der Offenbarung des Heiligen Korans gedenken. Fasten im Islam ist eine Form des Gottesdiensts. Das Fasten im Monat Ramadan gehört zu den so genannten fünf Säulen des Islam, also zu den Hauptpflichten, die ein Muslim zu erfüllen hat.
Die anderen Säulen sind:
- Das Bezeugen der Einheit Gottes und des Propheten Muhammad
- Das fünfmalige Gebet jeden Tag
- Die Wallfahrt nach Mekka
- Das Entrichten des Zakat (Soziale Abgabe)

Ausgenommen vom Fasten sind nach offizieller Regelung Kranke, schwangere Frauen, sehr alte Menschen, Reisende und Kinder bis zur Pubertät. Allerdings wird dies in den einzelnen Familien heute sehr unterschiedlich gehandhabt und es kommt auch vor, dass Schwangere sehr wohl fasten, allerdings nur bis zur Geburt des Babys. Danach dürfen sie als stillende Mutter 40 Tage nicht fasten und nicht beten, sollten diese Tage dann aber nach Ramadan nachholen. Ist jemand auf Reisen oder wird man krank, darf man aufhören zu fasten, sollte diese Tage aber auch bis zum nächsten Ramadan nachholen.
Während Ramadan sollte auch jeder gläubige Moslem mindestens einmal das Heilige Buch des Koran durchlesen.

 

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Während des Fastens im Ramadan darf von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nichts gegessen, nichts getrunken und kein Kaugummi gekaut sowie auch nicht geraucht oder geküsst. Die streng gläubigen Moslems hören auch tagsüber keine Musik und sehen sich im Fernsehen nur Nachrichtensendungen an.
Bei Sonnenuntergang, wenn die Gläubigen vom Muezzin zum Gebet gerufen werden, wird das Fasten gebrochen – traditionell zuerst nur mit ein oder zwei Datteln und etwas Wasser.
Dann nach dem Gebet gibt es den „Iftar“, was Frühstück bedeutet. In der traditionellen arabischen Familie wird zu „Iftar“ sowohl für die eigene Familie wie auch für Nachbarn, Freunde und die Armen gekocht. So gibt es in jeder traditionellen arabischen Familie eine große Auswahl an Speisen, weil praktisch Essen „ausgetauscht“ wird, d.h. jeder bringt jedem Essen vorbei.

 

Iftar für Bedürftige

Iftar für Bedürftige

Vor vielen Moscheen oder auch vor arabischen Supermärkten sind kleine Zelte aufgebaut und es findet zu Iftar eine Speisung für die Ärmeren statt. Dazu bringen dann Familien und Geschäftsleute aus der Umgebung Essen und Getränke dorthin und die Ärmeren essen dann hier gemeinsam die gespendeten Speisen und Getränke.

 

Local Iftar

Local Iftar

Einige typische Speisen für Ramadan sind „Harees“, ein breiartiges Gericht aus gemahlenem Getreide mit Hähnchen- oder Lammfleisch, das sehr lange gekocht wird oder „Matchboos“, wobei Ziege, Hähnchen, Fisch oder Kamel zusammen mit Reis gekocht und mit verschiedenen Gewürzen angereichert wird.

 

Matchboos

Matchboos

Zu den authentischen Gerichten gehört auch „Saloona“, wobei aus Hähnchen, Ziege, Fisch oder Kamel eine Art Goulasch gekocht und typisch gewürzt wird. Dies reicht man dann zusammen mit „Ragaag“, einem papierdünnen, knusprigen, hausgemachten Fladenbrot dem Gast. Aber auch „Biryani“, bekannt aus der indischen Küche wird im Ramadan sehr gerne zubereitet. Aber auch die moderne arabische Küche hat ihren Platz im Ramadan gefunden mit „Emirates Makkaroni“, einem Gericht aus Nudeln, verschiedenem Gemüse, Zwiebeln und manchmal mit Käse, oder auch mit fein geschnittenem Hähnchenfleisch, alles gewürzt mit einem speziellen lokalen Gewürz nach Hausrezept.

 

Emirates Makkaroni

Emirates Makkaroni

Nach dem Essen und auch später am Abend kommen weitere arabische Spezialitäten auf den Tisch wie z.B. „Legemat“, Hefeteigbällchen in heißem Fett heraus gebacken mit Dattelhonig übergossen und „Harir“, kleine Pfannkuchen mit Kardamom und Dattelhonig serviert.

 

Legemat

Legemat

Typische Ramadan-Getränke sind u.a. „Vimpto“, ein konzentrierter Fruchtsaft, der verdünnt mit Wasser getrunken und mit Eiswürfeln gekühlt wird, aber auch Buttermilchgetränke, frische Fruchtsäfte und Rosenwassergetränke. Dazu werden auch immer „Gahwa“ (Kaffee) und „Chai“ (Tee) angeboten.
Im letzten Drittel der Nacht gibt es dann noch Suhoor, die letzte Mahlzeit vor Beginn des Tagesfastens.
Ramadan gilt als friedvolle, besinnliche Zeit und die Familien rücken meistens enger zusammen und verbringen in diesem Monat mehr Zeit miteinander.
In diesem Monat soll der Körper durch das Fasten und die Seele durch Beten gereinigt werden und die Menschen sollen wieder näher zu Gott gebracht werden.
Im Ramadan nutzen auch viele die Gelegenheit, sich bei Streitigkeiten die Hand zu reichen und durch eine Versöhnung wieder den inneren Frieden zu finden.
Natürlich hat der Ramadan auch Auswirkungen auf das öffentliche Leben in den Emiraten, allerdings gibt es immer weniger Einschränkungen.
Achten sollte man auf jeden Fall auf geänderte Öffnungszeiten bei öffentlichen Einrichtungen und auch auf verkürzte Arbeitszeiten bei vielen Unternehmen. Tagsüber erscheint das Geschäftsleben ruhiger, allerdings verlagert sich das quirlige Leben in die Nacht und so sind z.B. die Malls und auch die kleinen Geschäfte außerhalb oft bis nach Mitternacht geöffnet.
Sehr viel los ist in den Hotels und Restaurants zur Zeit nach Sonnenuntergang, wo fast überall üppige Iftar-Buffets serviert werden.
Wenn Sie es noch nicht erlebt haben, sollten Sie auf jeden Fall an dem einen oder anderen Iftar teilnehmen, der je nach Restaurant mehr traditionell oder mehr international ausgerichtet ist.
Allerdings sollten auch Sie als Expat auf einiges achten:
- Vermeiden Sie das Essen und Trinken in der Öffentlichkeit während des Tages
- Vermeiden Sie auch das Rauchen und Kaugummikauen in der Öffentlichkeit.
- Vermeiden Sie respektloses Verhalten wie z.B. freizügige Kleidung oder übermäßige Liebesbezeugungen.
- Vermeiden Sie zu laute Musik während des Tages.

Wenn Sie diese wenigen Regeln beachten können Sie den Geist des Ramadan genießen und dabei das kulturelle Erbe der Emirate erleben.

 

Geist des Ramadan

Geist des Ramadan

Und denken Sie daran – Ramadan ist die Zeit der Gemeinschaft und Zugehörigkeit und die Zeit für Reflektionen. Dies ist etwas was auch für uns Expats nicht von Schaden ist.
Nun wünsche ich allen Lesern von Expat Aktuell einen friedlichen und stimmungsvollen Ramadan und „Ramadan Kareem“.