Oktoberfest Brothaus

Für deutschsprachige Expats in den Emiraten

Oktoberfest

Treten Sie nicht ins Fettnäpfchen!

Dr. Theodor Strohal von der STROHAL LEGAL GROUP lebt seit über 14 Jahren in den Emiraten.

 

 

 

Dr. Theodor Strohal

Dr. Theodor Strohal

 

 

 

Expat Aktuell hat ihn gebeten einige prägnante Beispiele einzubringen welche wesentlichen Fehler Europäer hier im Lande – vor allem im Geschäftsleben – machen können die grob nachteilige Folgen nach sich ziehen – beginnend mit der Verwunderung von Locals, über zutiefst beleidigt sein bis hin zu strafrechtlichen Sanktionen.

So finden Sie hier Do’s und Don’ts für Expats in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Zu Beginn ist festzuhalten, dass wir alle Gast in diesem Land sind. Gäste haben sich so zu verhalten wie es die Gastgeber wünschen bzw. erwarten. Niemand hat uns gezwungen hierher zu übersiedeln (hoffentlich nicht) oder hier zu leben. Wenn es uns nicht gefällt, steht es uns (ebenso hoffentlich) frei das Land zu verlassen.

Vortrag

Vortrag

Beginnen wir mit einem Beispiel: Als ich das erste Mal an der University of Dubai unterrichtet habe (dies ist etwa 13 Jahre her) fand ich, als ich vor dem Gebäude am Abend auf ein Taxi wartete, eine der Studentinnen neben mir die offenbar auch auf ein Auto wartete. Ich fragte sie wohin sie wollte, sie meinte nach Sharja. Ich sagte: Na dann teilen wir doch ein Taxi, ich fahre nach Ras al Khaimah, und lasse Sie unterwegs hinaus oder bringe Sie bei ihrem Haus vorbei. Die Studentin lehnte dankend aber bestimmt ab. So kam also das erste Taxi, welches die junge Dame bestieg, das zweite nahm ich dann.

Am nächsten Morgen erzählte ich den Vorfall meiner arabischen Sekretärin in der Kanzlei. Sie schlug die Hände über dem Kopf zusammen und meinte, ich sei knapp einer Gefängnisstrafe entgangen. Nicht Verheiratete oder nicht Verwandte dürfen keinesfalls gemeinsam ein Auto benützen. Und sie lobte die unmissverständliche Zurückweisung meines Angebotes durch die lokale Studentin.

Diese „Regel“ geht aber noch weiter. In Sharjah oder Abu Dhabi empfiehlt es sich die Heiratsurkunde beim Check-in in ein gemeinsames Hotelzimmer parat zu haben. Aber auch bei der gemeinsamen Nutzung einer Mietwohnung ist es für Unverheiratete besser zwei getrennte Schlafzimmer im Bedarfsfall vorweisen zu können. In anderen Emiraten wird eher „wo kein Kläger, da kein Richter“ geübt. Aber schon der erzürnte Nachbar (weil zu laute Musik oder zu rauchintensiver BBQ- Abend) kann durch einen Anruf bei der Polizei das Schlamassel auslösen und eine Verhaftung herbeiführen.

Die angeblich im Iran angebotene „Kurzehe“ ist in den Emiraten – zumindest für Nicht-Moslems – nicht üblich oder möglich.

Auch im Alltagsleben gilt es ähnliche Regeln einzuhalten: Wenn Sie als Mann bei einem Lift warten und die Lifttüre geht auf und Sie sehen drinnen eine oder mehrere lokale Damen ohne Herrenbegleitung, dürfen sie nicht zusteigen. Es sei denn, Sie werden ausdrücklich dazu eingeladen. Fährt aber bereits ein lokaler Begleiter mit der Dame mit so steht einem Zusteigen nichts im Wege. Problematisch wird es wenn bereits ein nicht lokaler Mann mit lokalen Damen in einem Lift fährt: Hat dieser bereits die Regel verletzt? Wenn Sie sich ebenfalls dazustellen wäre dies problematisch. Oder gehört er zu den lokalen Damen, dann wäre es unproblematisch. Hier hilft am besten ein Lächeln und den Damen in die Augen schauen, wenn ein Lächeln zurückkommt oder sogar eine einladende Handbewegung, dann steigen Sie einfach ein.

Wenn wir schon beim Lift sind: Wenn Sie einen Hund in Ihrer Wohnung halten und diese im höheren Stock eines High Rise Buildings gelegen ist, dann werden Sie wohl mit dem Hund am Morgen hinunterfahren müssen, damit dieser sein Geschäft verrichtet. Sie dürfen jedoch mit Ihrem Hund keine Liftkabine betreten, in welcher eine lokale Dame oder ein lokaler Herr fährt. Die Berührung mit dem Hund kann für einen strikten Moslem dazu führen, dass er das Gewand 7 Mal waschen muss bevor er es wieder anziehen darf. Wenn also die Liftkabinen in Ihrem Wohnhaus am Morgen sehr von Locals frequentiert sind, werden Sie wohl entweder geraume Zeit warten oder doch die Treppen nehmen müssen.

Die grundsätzlichen Höflichkeitsformen und Verhaltensweisen zwischen dem europäischen Mann und der lokalen Dame sind sicher wohlbekannt, hier nur kurz zusammengefasst:

  • Immer den notwendigen Respektabstand wahren, so dass auch keine indirekte Berührung, etwa mit Kleidungsstücken, stattfindet.
  • Nicht die Hand reichen. Reicht jedoch die lokale Dame ihre Hand so ist ein sanfter Händedruck angebracht, wobei der Händedruck eher einem kurzen oberflächlichen Berühren gleichzusetzen ist, nicht ein kräftiger europäischer Händedruck mit Händeschütteln.
  • Bei Einladungen in arabische Haushalte nimmt die Dame (oder die Damen) des Hauses so gut wie nie am gemeinsamen Esstisch Platz sondern isst in einem anderen Zimmer. Wenn Sie als Europäer mit Ihrer Partnerin kommen, wird die Partnerin häufig von der Dame des Hauses eingeladen mit ihr, also getrennt von den Männern, zu essen. Dieser Einladung ist unbedingt Folge zu leisten. Letztlich nicht zum Nachteil der „Männergespräche“ die auf diese Weise von den Friseuren, Kosmetiksalons, günstigen Einkaufsmöglichkeiten usw. verschont bleiben und sich ihren Themen, wie Autos, Fußball und Politik hingeben können.
  • À propos Politik: Kritik an lokaler Politik oder den Rulern und ihren Familien ist unbedingt zu unterlassen.

Zum Schluss vielleicht noch einige Worte zur Business-Etikette:

Gehen Sie grundsätzlich davon aus, dass Sie in diesem Land willkommen sind. Die arabischen Officers bei den Behörden sind generell darauf geschult dem Ausländer mit Höflichkeit dem Ausländer zu begegnen. Viele sprechen auch Englisch. Wenn Sie nun etwas von dieser Behörde brauchen, gehen Sie zum zuständigen Officer mit einem freundlichen Lächeln auf Ihrem Gesicht und bringen Sie Ihr Anliegen vor. Sollte der Officer meinen, dass Ihr Wunsch nicht in dieser Form erfüllbar ist dann ist es das Beste, Sie bitten um seine Hilfe. Im Moment, wenn unser arabischer Freund um Hilfe gebeten wird, ändert sich seine Position vom strikten Officer einer Behörde zum „Supporter“ des Ausländers. Er wird Ihnen wahrscheinlich Ratschläge geben wie Sie doch zu Ihrem Ziel kommen, wenn auch nicht auf dem Weg, den Sie ursprünglich geplant haben.

Weiterhin ist stets mit dem etwas dehnbarem Zeitbegriff unserer arabischen Freunde zu rechnen und wir müssen einfach lernen damit umzugehen. Wenn es heißt „Anliegen wird bis zum Donnerstag Inshalla erledigt sein“, dann sprechen Sie natürlich am besten schon Donnerstag morgens wieder vor, wobei Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit damit rechnen können, dass Sie weitere Tage warten müssen bis tatsächlich der gewünschte Erfolg eingetreten ist.

In Business Gesprächen:

Wenn Sie Ihren Gesprächspartner (künftigen Business-Partner, Vertragspartner, Sponsor etc.) zum ersten Mal treffen, fallen Sie bitte nicht gleich mit der Türe ins Haus. Zunächst werden immer ganz allgemein einige Themen besprochen, nämlich wie lange sind Sie schon im Lande? oder gefällt es Ihnen hier? Oder wie geht es Ihrer Familie?

Fragen Sie keinesfalls Ihren Gesprächspartner nach irgendwelchen privaten Dingen, er wird Sie jedoch sehr wohl nach Familienverhältnissen und ähnlichem ausfragen. Sie können Ihren Gesprächspartner aber fragen in welche Schulen seine Kinder gehen, ob er seine Urlaube in Europa verbringt und wo es ihm am besten gefällt.

Nach einem solchen privaten Abtasten, welches zwischen 10 Minuten und einer Stunde dauern kann, können Sie langsam das Gespräch auf das in Aussicht genommene Geschäft lenken. Hier ist auch wiederum Vorsicht geboten, keinesfalls sollte über Geld am Anfang gesprochen werden. Vielmehr sollte das Geschäft als solches abgeklärt werden, wer wieviel dazu beiträgt, welche Leistungen von jeder Seite zu erwarten sind, welche Geschäfte Sie im Lande erwarten wenn die Business Kooperation klappt. Häufig endet ein solches Erstgespräch mit einer Stunde privatem Abtasten und 10 Minuten „übers Geschäft reden“ und wird sodann auf einen späteren Zeitpunkt vertagt. Der lokale Gesprächspartner gibt sehr deutlich zu verstehen, wann er den Termin als beendet ansieht. Entweder weist er darauf hin, dass nun Gebetszeit ist, er bietet jedoch häufig an, nach dem Gebet wiederzukommen. Hier wäre es am Platz, wenn Sie sich für das Gespräch bedanken und überhaupt einen neuen Termin vereinbaren. Oder er meint er habe einen anderen wichtigen Termin und müsse jetzt leider gehen.

Beim zweiten Gespräch mit dem Business-Partner können Sie schon sehr früh aufs Geschäft zu sprechen kommen, jedoch niemals gleich zu Beginn. Auch hier gibt es wieder ein privates Abtasten, wie es einem geht, was Sie seit dem letzten Treffen gemacht haben und ob Sie sich in dem Land wohlfühlen (was immer mit besonderer Euphorie zu bejahen ist, selbst wenn die Thermometeranzeige an die 50 Grad draußen erreicht hat). Es ist auch bei solchen Vorgesprächen nie Platz sich über irgendjemanden oder irgendetwas in den VAE zu beschweren.

Wenn im Laufe des Gespräches die Meinungen auseinandergehen, bleiben Sie ruhig, besonnen und erheben Sie Ihre Stimme nicht. Sie können Ihren Standpunkt durchaus mit Bestimmtheit vertreten und auch sagen, dass die eine oder andere Regelung in Ihrem Vorschlag unabdingbar ist und Sie davon nicht abgehen. Wenn darüber keine Einigkeit erzielt werden kann, dann können Sie das Gespräch auch freundlich und mit einem Lächeln beenden, indem Sie sagen, dass Sie Ihrem Gesprächspartner viel Glück und erfolgreiche Geschäfte wünschen, aber offenbar für eine gemeinsame Aktion noch die Grundlage fehlt.

Kommen Sie zu einem Punkt wo die Emotionen hochgehen, so hat grundsätzlich derjenige die schlechteren Karten, der die Stimme erhebt oder seine Erregung zeigt.

Rechnen Sie damit, dass Ihr arabischer Gesprächspartner manchmal von einer harten Business-Diskussion mit einem blumenhaften Beispiel, welches bis zu mehrere Minuten vorgetragen werden kann, ablenkt. Diese uns manchmal gänzlich unbekannte Methode, nämlich in Metaphern oder Geschichten zu argumentieren, ist den Arabern eigen. Wenn wir dies akzeptieren und uns auch z.B. die ornamentbetonte und zierreiche Schrift ansehen, dann wird uns diese Denkmethode eher verständlich sein. Die während eines Gespräches im Haus des lokalen Gesprächspartners angebotenen Getränke sollten Sie annehmen, sei es der hervorragende Kardamom-Kaffee oder manchmal auch Tee und Espresso. Wenn Sie den Kardamom Kaffee in den kleinen Schalen angeboten bekommen und Sie ausgetrunken haben, können Sie sich entscheiden eine neue Füllung von den, den Kaffee ausschenkenden Bediensteten anzunehmen, indem Sie die Schale einfach hinhalten oder die leere Schale mit einer kurzen links-rechts Handbewegung zurückgeben, was bedeutet, dass Sie keine Nachfüllung mehr wollen.

Der Araber sieht in einem Geschäft eher die Partnerschaft und das gemeinsame Handeln als den Nettoprofit. Das entspricht auch dem Zinsverbot, das dem Islam (und auch letztlich dem Christentum) inhärent ist. Bieten Sie also für eine Vermögenseinlage Ihres Gesprächspartners nicht eine gute „Verzinsung“ an, sondern eine prozentuelle Beteiligung an dem Unternehmen. Häufig will der Araber tatsächlich nur eine gute Rendite für sein Geld und mischt sich in die operative Führung des Geschäftes nicht ein, weil er davon ausgeht, dass Sie – als Europäer – mehr verstehen als er. Dann ist es eine wichtige Vertrauensposition, die Sie innehaben und der Araber akzeptiert eher Verluste als einen Vertrauensbruch.

 

Zur Begrüßung unter Männern:

Die erste Begrüßung ist normalerweise ein Handschütteln, jedoch ohne den westlichen Händedruck und Schüttelbewegung sondern einfach die Berührung der Handinnenflächen. Wenn man mit dem lokalen Gesprächspartner schon besser befreundet ist kommt auch eine Umarmung in Frage, die aber anders als in Europa ausgeführt wird: Man hält einander wechselseitig an der Schulter und lässt die linken Wangen einander kurz berühren. Keinesfalls ist der Europäer dazu aufgefordert den berühmten arabischen „Nasenkuss“ zu vollziehen, sondern wir würden uns damit eher lächerlich machen.

Bei den Umarmungen gibt es dann auch andere Varianten, die bis zu 3 kurzen Wangenberührungen (links rechts links) führen können. Seien Sie in einem solchen Fall flexibel und anpassungsfähig, lassen Sie sich von Ihrem arabischen Freund führen.

Wenn einmal ein Vertrag geschlossen ist oder eine Vereinbarung letztlich ausgehandelt ist, so kommt es selten sofort zu einer Unterschrift, sondern es wird der Vertrag mittels eines Handschüttelns (und mehrerer Fotos) besiegelt. Sagen Sie zu, die schriftliche Ausführung dieser Vereinbarung kurzfristig herzustellen und diese möglichst noch am gleichen Tag zu übersenden. Es kann sodann sein, dass Sie Ihr arabischer Geschäftspartner anruft und meint, dass einer oder zwei Punkte Ihrer schriftlichen Ausfertigung entweder nicht der mündlichen Vereinbarung entsprechen oder er überhaupt eine Abänderung wünscht. Hier können dann Verhandlungen von neuem beginnen oder Sie können auch darauf bestehen, dass Ihre schriftliche Wiedergabe genau dem mündlich abgeschlossenen Vertrag entspricht und Sie nicht bereit sind in weitere Diskussionen einzusteigen. Dies kann dazu führen, dass Ihr arabischer Partner aber den Vertrag als nicht zustande gekommen ansieht.

Generell ist jedoch aufgrund meiner Erfahrung auszuführen, dass sich Araber sehr wohl an mündlich abgeschlossene Verträge halten und auch Handschlagqualität haben. Ausgefeilte juristische Formulierungen sind den Arabern fremd. Um aber nicht ins Hintertreffen zu kommen, werden vielfach indische – aber auch UK-Juristen beschäftigt. Während letztere relativ flexibel sind und auch ein Verständnis für die lokalen Gesetze aufbringen, führt oftmals die Einschaltung indischer Juristen zum Stillstand der Verhandlungen. Inder sehen das aus England importierte case law als den Nabel der Rechtslehre an und sind häufig nicht bereit sich den zivilrechtlichen Grundsätzen des VAE-Rechtes anzupassen. Das soll aber keine Verallgemeinerung darstellen, sondern es sind lediglich Erfahrungswerte aus 14 Jahre juristischer Arbeit in diesem Land.

Letztlich ist Arbeit und Leben hier qualitativ hochwertig. Die VAE sind noch immer ein Steuerparadies, trotz VAT und unsere Gastgeber sind bemüht uns das Leben angenehm zu gestalten (verglichen mit anderen Ländern auf der selben Entwicklungsstufe). Und das sollte respektiert werden. Und nochmals zur Einleitung: Wir Österreicher neigen dazu, uns über alles zu beschweren und das Negative hervorzukehren („nörgeln“).

Doch ich hoffe es hat Sie (ebenso wie mich) niemand gezwungen hier zu leben. Also genießen wir doch das was wir freiwillig auf uns genommen haben!

Dr. Strohal im Office

Dr. Strohal im Office

Wenn Sie Fragen haben oder Hilfe bei rechtlichen Problemen brauchen, wenden Sie sich bitte an das Team der STROHAL LEGAL GROUP bzw. an Dr. Theodor Strohal unter tstrohal@slg-strohallegalgroup.com.