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Über das Füllen von Zähnen

Dr. Marlies Homann

Dr. Marlies Homann

 

Die Qual der Wahl – welches Füllungsmaterial? Amalgam, Komposite, Gold und Keramik – Jede Zahnfüllung hat Vor- und Nachteile.

Wenn man heute als Zahnarzt irgendein gutes Wort über Amalgam sagt, gilt man bei uns schnell als rückständiger, ewig gestriger Trottel, der seit seiner Ausbildung vor hundert Jahren nichts mehr dazugelernt hat. Auf dieses Image legt natürlich kein Zahnarzt besonderen Wert. Es ist ja tatsächlich unheimlich, welche Macht die Medien und die dahinterstehenden Lobbys haben: Leute die von Zahnheilkunde absolut und überhaupt keine Ahnung haben und sich auch sonst gar nicht besonders dafür interessieren, lehnen Amalgamfüllungen ab, wenn sie im zahnärztlichen Behandlungsstuhl sitzen. Die wiederholte, negative Behandlung von Amalgam als Zahnfüllungsmaterial in verschiedenen Massenmedien zeigt hier eine deutliche Wirkung. Dabei ist aber der Kunststoff, der ja in den meisten Fällen als Ersatzfüllmaterial verlangt und verwendet wird, auch nicht aus Luft. Die organischen Lösungsmittel, Restmonomere und verschiedenen Chemikalien, die im Kunststoff enthalten sind, sind durchaus nicht so gesund und biologisch unbedenklich wie viele meinen. Nur wird darüber nicht in den Medien berichtet und dementsprechend hat niemand eine Ahnung davon. Viele Patienten werden durch die weiße Farbe des Kunststoffes in die Irre geführt: Man meint, was weiß ist und so aussieht wie Zahnsubstanz muss auch automatisch so gesund und unbedenklich sein. Kosmetisch ist der Kunststoff natürlich schöner. Doch dem stehen einige Nachteile gegenüber.  Richtig: Amalgamfüllungen geben kleinste Mengen von Quecksilber ab, die dank unserer heutigen, ultraempfindlichen Messmethoden festgestellt werden können. Durch diese Messmethoden wissen wir auch, dass wir mit unserer ganz normalen, durchschnittlichen Nahrung mehr Quecksilber in unseren Körper einbringen, als aus den Amalgamfüllungen frei wird. Gesünder wären natürlich Zahnfüllungen aus Gold, denn das Edelmetall Gold löst sich überhaupt nicht auf und gibt auch keine Ionen ab. Es bleibt über Jahrzehnte unverändert und ohne Zerfallserscheinungen im Mund. Das ist der Grund, warum diese teure Art von Zahnfüllungen so langlebig ist und warum Sie Ihre eigenen Zähne viel länger erhalten können. Die Lösungsmittel, Restmonomere und verschiedene Chemikalien, die in den Kunststofffüllungen enthalten sind, lösen jedenfalls gar nicht so selten Überempfindlichkeit der Zähne aus und werden von einigen Patienten recht schlecht vertragen. Aus diesem Grund entstehen in der Praxis weitaus öfter Probleme mit Kunststofffüllungen als mit der vernachlässigbaren Metallionenbelastung durch das Amalgam. Das allergene Potential und die hormonellen Wirkungen von Kunststoffbestandteilen rücken auch immer mehr in den Fokus der Betrachtungen. Ein Patient, der auf absolute Verträglichkeit, geringe Schadstoffbelastung und besondere Langlebigkeit seiner Zahnfüllungen Wert legt, für den sind die bewährten Inlays (Gussfüllungen) aus Gold nach wie vor die beste Wahl.

Doch bleiben wir bei den „normalen“, einfachen Zahnfüllungen: Der erste, wesentliche Unterschied ist die Empfindlichkeit des Kunststoffmaterials gegen Feuchtigkeit während der Verarbeitung. Amalgam nimmt beim Aushärten an Volumen zu (das nennt man „Expansion“), Kunststoff zieht sich beim Aushärten zusammen (das wird „Kontraktion“ genannt). Dadurch ist Kunststoffmaterial empfindlich gegenüber Feuchtigkeit bei der Herstellung der Zahnfüllung. Ein kleiner unbemerkter Tropfen von Speichel (im Mund keine Seltenheit) oder eine kleine Blutung aus dem Zahnfleisch genügt schon und die neue Kunststofffüllung verbindet sich nicht mit der Bonding-Klebeschicht, die den bakteriendichten Verbund zwischen Zahn und Zahnfüllung herstellen soll. Durch die unvermeidliche Kontraktion beim Aushärten des Füllungskunststoffes entsteht dadurch ein kleiner Spalt zwischen dem Zahn und der Füllung. Jeder Mensch kann sich leicht vorstellen, was das bedeutet: Durch diesen kleinen Spalt können Bakterien unter der neuen Füllung in den Zahn eindringen und eine neue Karies erzeugen. Die Füllung muss dann so schnell wie möglich wieder erneuert werden, wenn man bleibende Schäden verhindern will. Bei Amalgam passiert das nicht. Amalgam hat die Eigenschaft zu expandieren, das heißt sich auszudehnen. Durch diese Expansion verschließt Amalgam automatisch und selbsttätig sogar kleine Spalten, falls aus irgendeinem Grund einmal eine Spalte zwischen Zahn und Füllung entstehen sollte. Das ist auch der Grund warum wir Zahnärzte sehr häufig Zahnfüllungen in Zähnen von Patienten finden, die vor 20 oder sogar mehr Jahren gemacht wurden! Das müssen die Kunststofffüllungen erstmal nachmachen. Nun muss man bedenken, dass ja viele Zahnlöcher so tief sind, dass sie bis unter den (feuchten, blutigen) Zahnfleischrand reichen. Es ist gar nicht so leicht, diese tiefen Löcher, die oft auch an unzugänglichen Stellen schwer einsehbar sind, wirklich exakt trocken zu halten bis die Zahnfüllung fertiggestellt ist. Auch halten ja nicht alle Patienten den Mund und die Zunge ruhig. Eine kleine, unbemerkte Zungenbewegung genügt schon, um etwas Speichel in das gesäuberte und getrocknete Zahnloch zu bringen und der Misserfolg ist vorprogrammiert. Speziell Kinder sind oft unruhig und ängstlich und machen mit unkontrollierten Bewegungen alle Bemühungen des Zahnarztes um eine saubere, haltbare Zahnfüllung zunichte.

Eine weitere Eigenschaft des Amalgams ist das so genannte „Creeping“, welches auf eine langsame Volumenzunahme über die Jahre beruht. Durch das Creeping quellen („kriechen“) die Amalgamfüllungen aus den Zähnen heraus. Dadurch werden aber automatisch und selbsttätig kleine Spalten an den Rändern der Füllungen verschlossen und die Füllung bleibt dicht und funktionstüchtig. Im Gegensatz dazu leiden alle Kunststofffüllmaterialien an der Kontraktion (=Abnahme des Volumens) bei der Herstellung. Durch diese Kontraktion entstehen bei der falschen Technik beim Legen der Füllung leicht kleine Spalten zwischen Zahn und Zahnfüllung. Diesem Effekt kann der Zahnarzt wie schon erwähnt durch besonders sorgfältige und aufwendige Arbeitstechnik entgegenwirken. Kontrollierbar ist der Erfolg allerdings nicht.

 

Was gibt es überhaupt für Möglichkeiten Löcher in Zähnen zu reparieren?

Als Konsument hat man beim Zahnarzt die Wahl zwischen zwei grundsätzlich verschiedenen Klassen von Zahnfüllungen: den einfachen Füllungen, die sofort in der Zahnarztpraxis fertiggestellt werden, und den Inlays, die vom Zahntechniker nach einem Abdruck des gesäuberten Zahnes angefertigt werden, und die einen zweiten Besuch beim Zahnarzt (zum Einbauen des Inlays) erfordern. Diese Inlays werden im Idealfall aus Gold  hergestellt. Die feinen, hochglanzpolierten Ränder dieser Metallfüllungen ergeben den exaktesten und glattesten Rand an der Grenze zum Zahn und damit die beste Langzeithaltbarkeit und Sauberkeit. Manchmal muss man aus kosmetischen Gründen aber auch Kompromisse machen und nimmt dann (Glas-)Keramik oder hochgepressten Kunststoff als Material für das Inlay.

Die einfachen, sofort fertigen Füllungen stellen die große Masse der Zahnfüllungen dar; sie sind für den Patienten finanziell wenig aufwendig. Man bekommt sie, je nach Ausführung, zum Sozialtarif der Krankenkassen oder für einen recht übersichtlichen Betrag. Viel mehr Aufwand an Zeit und Geld erfordern die Inlays: der Preis kann das Zehn- bis Fünfzehnfache der Kosten einer einfachen Zahnfüllung ausmachen, und mindestens ein zweiter Besuch beim Zahnarzt ist notwendig, wenn man seine Zähne mit dieser besonders langlebigen Füllungsart für die späteren Lebensjahre erhalten will. Die Herstellung eines exakt sitzenden Inlays erfordert ja sowohl vom Zahnarzt als auch vom Zahntechniker mehrere Stunden Arbeitszeit.

Der mündige Bürger hat in seiner Eigenschaft als Konsument also durchaus die Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten, wie er die Löcher in seinen Zähnen versorgen lassen will. Die Zeiten, wo man zum Zahnarzt ging, den Mund aufmachte, und ohne weitere Fragen irgendetwas machen oder einbauen ließ, sind ja vorbei – und das ist auch gut so.               Es gibt inzwischen so viele verschiedene Behandlungsmethoden und Wiederherstellungsmöglichkeiten verlorener Zähne, dass jeder Mensch für sich persönlich entscheiden muss, ob er z.B. eine Urlaubsreise macht, ein größeres Auto kauft oder ob er sich lieber eine luxuriöse Zahnbehandlung leisten will.

Abschließend gilt der berühmte Spruch von der Kette, die so stark ist wie ihr schwächstes Glied. Wenn das schwächste Glied der Kette die schlechte Zahnpflege des Patienten ist, dann nützen auch noch so gute Füllungen nichts. – Jede normale Zahnfüllung hat eine gewisse Lebensdauer. Durch den Gebrauch und die Abnützung (thermisch, chemisch, mechanisch) werden früher oder später die Ränder brüchig und die Füllung undicht. Durch diese undichten Stellen wandern Bakterien ins Zahninnere und bewirken jene Fäulnis (Karies) die unbehandelt den Zahn kaputt werden lässt. Der Hauptsinn der regelmäßigen, halbjährlichen Zahnarztbesuche ist es kleine Schäden und Hohlräume in Zähnen so frühzeitig zu erkennen, dass nicht viel Zahnsubstanz beim Reparieren der Löcher weggebohrt werden muss. Je öfter und tiefer man einen Zahn aufbohren muss, weil die Füllung kaputt ist, umso früher wird er zerstört sein. Deshalb kann man mit Zahnfüllungen wie den Goldinlays, die im Normalfall Jahrzehnte lang halten, die Zähne auch viel länger erhalten.

Wenn Sie Fragen dazu haben, wenden Sie sich bitte an mich unter  04-355 8808 oder unter info@dubaiskyclinic.com – ab Dezember in der NEUEN Klinik im „Sky Clinic Dental Center JLT“.