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Burnout

Burnout: “To burn out, one has to be on fire” – das ist eine Tatsache!

Obwohl noch viel untersucht werden muss, steht mittlerweile fest, dass Burnout physische, emotionelle und mentale Erschöpfung bedeutet, die durch chronischen Stress verursacht wird. Durch anhaltenden Stress werden nämlich auch kontinuierlich Stresshormone, sowie Adrenalin und Cortisol produziert, was eine Überbelastung des Gehirns und körperlichen Folgen mit sich bringt.

 

Dr. Fabian Saarloos im GNC

Dr. Fabian Saarloos im GNC

Man kann sagen, dass durch die dauernde Produktion von zu viel Stressfaktoren über lange Zeit sich das Gehirn andauernd in einem Fight-or-flight (Kämpfe oder Flüchten) Modus befindet und durch die Stresshormone den Körper ohne Pause für den “Ernstfall” vorbereitet. Dieser evolutionäre Reflex ist normalerweise auch gut um unser Überleben in gefährlichen Situationen zu garantieren. Allerdings ist die Interpretation unseres Gehirns, die auf diesem Reflex basiert, eher subjektiv und die Bedrohungen denen wir ausgesetzt sind, sind schon lange keine gefährlichen Tiere mehr, sondern eher Abstracta (z.B. Deadlines).

Dr. Fabian mit Gehirn

Dr. Fabian mit Gehirn

Oft wird gesagt, dass Burnout nur “im Kopf” ist, was irgendwo auch stimmt. Durch die Überaktivität des Gehirns und der kontinuierlichen Produktion von Cortisol sterben Neuronen im Hippocampus (verantwortlich für Erinnerung und Konzentration) und im Prefrontalem Cortex (verantwortlich für Planung, proaktives Denken, Entscheidungen) ab. Nebenbei beeinflusst Cortisol auch die Leber, die Bauchspeicheldrüse, die Verdauung, und das Immunsystem. Der anhaltende Stress verursacht im Körper dieselben Mechanismen wie bei einer chronischen Entzündung und erhöht dadurch auch das Risiko auf Krebs, Herz- und Gehirnstörungen, Rheuma, Irritable Bowel Syndrome oder Ekzeme. Das hohe Niveau von Adrenalin fördert zudem auch ein Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten und Probleme mit den Atemwegen.
Wie jede psychische Störung hat Burnout bestimmte Symptome and denen man auch das erkennen kann. Obwohl Burnout meistens nicht erkannt wird, da die Störung auch noch nicht offiziell anerkannt ist, ist es trotzdem wichtig die Symptome rechtzeitig zu erkennen um auf diese Weise Schlimmeres zu vermeiden.

Symptome von Burnout

Hier sind einige Symptome für Sie aufgeschrieben:

Erschöpfung
Ein wichtiger Hinweis auf Burnout ist das Gefühl der Erschöpfung und Müdigkeit. Man ist ausgelaugt, kraftlos, und man hat das Gefühl, dass man immer weniger Energie hat. Wenn man das Gehirn täglich pusht, erschöpfen sich die Energiereserven, was sich sowohl körperlich als auch geistig äußert. Die Erschöpfung wird größer, da man sich jeden Tag weiter unter Druck setzt und ab einem bestimmten Moment übertrifft die Anspannung das eigene Vermögen zu entspannen. Hierin liegt auch der Unterschied zur Depression: Bei der klinischen Depression fühlt man sich schon erschöpft, wenn man aufsteht; bei Burnout erkennt man meist erst die Erschöpfung nach der Anspannung.

Schlaflosigkeit
Durch den stetigen Gebrauch des Gehirns zum Arbeiten, um Probleme zu lösen oder die nächsten Aktivitäten/Aufgaben/Herausforderungen zu planen, ist das Gehirn kontinuierlich unter Druck und findet keine Ruhe. Das Gehirn kann nicht abschalten. Man liegt im Bett und denkt über alles und noch viel mehr nach, man fühlt sich müde und denkt an die restliche Zeit die man hat um zu schlafen. Dadurch erhöht man wieder den Druck auf sich selbst, was dann wiederum das Gehirn weiterhin aktiviert.

Körperliche Beschwerden
Oft ist es der Fall, dass das Gehirn die Spannungen und den Stress in körperlichen Symptomen äußert, wie z.B. Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Muskelschmerzen. Durch den anhaltenden Ausstoß von Hormonen, vor allem Cortisol und Adrenalin, bleibt der Körper “in Action”. Stress bedeutet dass der Körper sich anspannt um zu kämpfen oder zu flüchten, das heißt die Atmung muss erhöht und der extra Sauerstoff muss im Körper verteilt werden, was dann wieder zu Herzklopfen und Bluthochdruck führt. Extra Sauerstoff zusammen mit höherem Blutdruck bedeutet für Organe und Muskeln, dass sie schneller und effizienter arbeiten müssen. Hierdurch kriegt der Körper keine Ruhe und es können die Organe nach einiger Zeit auch nicht mehr richtig funktionieren und die Muskeln verkrampfen und man bekommt Schmerzen. Auch können der Appetit oder die Lust zu essen beeinflusst werden, man hat weniger oder seltener Hunger oder man merkt, dass man vom Stress an Gewicht verliert. Stress wird daher sehr oft in Verbindung gebracht mit Magen- und Darmproblemen, z.B. mit Gastritis oder Irritable Bowel Syndrome (IBS). Der Stress, den man beim Burnout erfährt, kann auch dafür sorgen, dass man schwächer und empfindlicher wird da das Immunsystem abnimmt, wodurch man anfälliger für Krankheiten ist. Man wird schneller und häufiger krank. Die inhärenten Schlafstörungen schwächen den Körper und auch das Gehirn weiterhin.

Psychische Symptome von Burnout

Wochen oder sogar Monate der Überbelastung von Körper und Geist sorgen dafür, dass die Nerven im Gehirn und Körper sprichwörtlich ausgebrannt werden, was zum Chronischen Müdigkeitssyndrom führt.

Konzentrationsprobleme
Durch die anhaltende Stimulierung durch die Umgebung und die konsequente Aktivierung der Verbindungen im Gehirn um alles zu analysieren und “durchzudenken”, wird die Elektrizität im Gehirn ungleichmäßig verteilt, was zu “Parallel Processing” führt. “Parallel Processing” bedeutet, dass verschiedene Gedanken und Einflüsse – bewusst und unbewusst – gleichzeitig verarbeitet werden, was ineffektiv und ineffizient ist, da jede Assoziation nicht zu 100% verarbeitet wird (z.B. die Aktivierung von 5 Assoziationen bedeutet dass jede Assoziation nur zu 20% durchdacht wird bevor die Energie aufgebraucht ist). Dies führt zu Konzentrationsproblemen – man ist schneller abgelenkt (=stimuliert) oder man hat Schwierigkeiten Gedankengängen vollständig oder korrekt zu folgen. Durch die zunehmende Belastung sind die Konzentrationsprobleme meist am Ende des Tages schlimmer, man fühlt sich ausgelaugt und kann quasi nur noch vor sich hin starren. Die erhöhte Produktion von Cortisol ist zudem giftig für den Hippocampus, einer Struktur im Gehirn die verantwortlich ist für unter anderem die Aufmerksamkeitsfunktionen und das Gedächtnis. Je länger der Cortisol-Ausstoß dauert, desto mehr Nerven im Hippocampus sterben ab, was zu anhaltenden Konzentrations- und Gedächtnisschäden führt.

Gedächtnisprobleme
Menschen die an Burnout leiden, klagen meist über Gedächtnisprobleme und Vergesslichkeit, man hat Schwierigkeiten sich Informationen zu merken. Da die Konzentration beeinträchtigt wird probiert das Gehirn gleichzeitig verschiedene Operationen auszuführen (Parallel Processing). Wenn man häufig abgelenkt wird, werden Informationen oder Stimuli nicht mehr zu 100% verarbeitet und werden ungenügend im Kurzzeitgedächtnis gespeichert. Hierdurch können diese Informationen dann auch nicht mehr vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übertragen werden. Die Schlafprobleme machen es zudem extra schwer, dass die Informationen, die aufgenommen wurden, ins Gedächtnis integriert werden.

Selbstbild
Meist haben die Symptome von Burnout zur Folge, dass man anfängt an sich selbst zu zweifeln. Man sieht eine Veränderung im Funktionieren oder der Performance im Vergleich zu früher und man sucht meist die Ursache bei sich selbst. Zudem sorgen Stress, die Konzentrations- und Gedächtnisprobleme und die Überstimulierung durch die Umgebung dafür, dass man tatsächlich mehr Fehler macht. Ein niedriges Selbstbewusstsein, das meist auf früheren Erfahrungen basiert (z.B. Erziehung, Schule, Trauma), führt dazu, dass man die Schuld bei sich selbst sucht und meist das Negative über die ganze Persönlichkeit generalisiert und/oder auf die Umgebung und Zukunft projiziert, was zu Pessimismus führt. Pessimismus, also die Interpretation von der Umgebung, von anderen und einer möglichen negativen Zukunft, sorgt wiederum dafür, dass das Gehirn Stresshormone ausstößt .

Irritationen
Da das Nachdenken und das Analysieren des Selbst und der Umgebung nicht aufhört, und der Körper unter Spannung ist, kann man schreckhafter und gereizter auf vor allem neue oder unerwartete Stimuli reagieren. Man sagt schneller Sachen, die undurchdacht sind, und daher auch die eigene Person oder Beziehung in Gefahr bringen können. Auch trifft man impulsiver Entscheidungen, die später oft bereut werden.

Depressionen und Angstzustände
Das Burnout Syndrom wird meist begleitet durch Stimmungsschwankungen, also von depressiven und Angstzuständen. Das vermehrte Nachdenken, Grübeln, Überanalysieren, Reflektieren – alles unter dem Einfluss von einem abnehmenden Selbstbewusstsein und Selbstbild, sorgt für Negativität. Diese Negativität wird dann in die Vergangenheit oder in die Zukunft projiziert, man richtet sich auf das was man anscheinend falsch gemacht haben könnte oder auf alles Schlechte was noch passieren könnte. Dies führt zu Depressionen und Angststörungen. Man kann seine Gefühle weniger kontrollieren, und es kommt neben den Stimmungsschwankungen auch zu “Explosionen” von Panik oder Heulanfällen bzw. Wutausrastern.

Verhaltensstörungen bei Burnout

Durch das viele Nachdenken und die Erschöpfung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass man anfängt mehr Fehler zu machen. Der Teufelskreis beginnt meist mit Selbstreflektion und der Wahrnehmung von Fehlern, von Konzentrations- und Gedächtnisproblemen und der konsequenten Abnahme des Selbstbildes und des Selbstvertrauens, wodurch der Stress wiederum zunimmt.
Viele Menschen probieren den Stress zu vergessen oder ihm zu entfliehen durch Alkohol oder andere Mittel. Alkohol kann entspannend wirken, aber dies ist die Wirkung des Alkohols und was dieser dem Körper vorgaukelt. Da sich die Situation in Realität nicht verändert hat und die Elektrizität und Cortisol-Produktion im Gehirn noch immer wirksam sind, vielleicht aber etwas weniger bewusst oder unterdrückt, produzieren Alkohol und andere Mittel nur Illusionen. Durch den Alkoholkonsum wird das Gehirn eher abgeschwächt und der betrunkene Zustand sorgt meist für noch mehr Probleme und sogar bedrohliche Situationen – also wiederum für mehr Stress. Auch fangen viele Leute an mehr zu rauchen oder Schlaftabletten und Schmerzmittel zu verwenden. Genauso wie beim Alkohol wird dem Gehirn Entspannung oder Kontrolle vorgegaukelt, das echte Problem wird aber nicht behoben sondern eher unterdrückt und verstärkt.
Durch die depressiven Gedanken und Gefühle, aber auch durch Angstzustände oder durch die Vermeidung der Überstimulierung des Schlafbedürfnisses, entfremden und isolieren sich Menschen mit Burnout stets mehr von der Gesellschaft, aber auch von Freunden und Familie.
Man kann weniger ertragen – will nicht mehr länger ertragen oder hat Grenzen aufgestellt zu anderen. Hierdurch kann man das Leben weniger genießen. Letztendlich sind wir Menschen natürlich soziale Tiere also ist Kontakt ein essentieller Bestandteil unserer Existenz und die Wahrscheinlichkeit positive Ablenkung oder sogar Unterstützung und Hilfe zu bekommen wird geringer. Auch werden Beziehungen weniger, die Kommunikation nimmt ab, was oft zu Beziehungskrisen und Problemen in der Erziehung der Kinder führt. All dies verstärkt die Isolation, die Gedanken, dass man nicht gut genug sei oder dass die Umgebung schlecht/unsicher und nicht vertrauenswürdig ist und dies verstärkt wiederum die Depressionen und Ängste.

Dr. Fabian

Dr. Fabian

Wenn Sie mit derartigen Problemen zu kämpfen haben oder wenn Sie Fragen zu ähnlichen Problemkreisen haben, wenden Sie sich an Dr. Fabian im German Neuroscience Center unter 04 429 8578.
Er wird Sie beraten und Ihnen ganz sicher helfen können!